Herz-Kreislauf

Wie erkenne ich mein persönliches Risiko ?

Stellen Sie sich ein Kanalrohr in einer großen Stadt vor, das niemand reinigt. Unrat, der angeschwemmt wird, bleibt liegen, Ablagerungen kleben an den Wänden, verhärten sich, der Durchfluss wird immer enger. Die Gefahr der Verstopfung wird immer größer.

Genauso kann man sich eine fortschreitende Gefäßverkalkung = Arteriosklerose vorstellen. Kommt es zur Verengung einer Gehirnarterie und zum Loslösen eines Blutgerinnsels, löst dies einen Schlaganfall aus. Das Gefäß wird verschlossen, das dahinter liegende Areal ist von der Blut- und Sauerstoffzufuhr abgeschnitten und stirbt langsam ab.

Der Schlaganfall ist die häufigste neurologische Erkrankung. Jeder fünfte Betroffene stirbt in den ersten vier Wochen nach dem Hirninfarkt. Mindestens ein Drittel der Patienten trägt bleibende Schäden davon: Lähmungen, Sprachstörungen, Ausfall bestimmter Hirnregionen. Auf jeden Fall ist das Leben nach einem Schlaganfall nicht mehr so, wie es vorher war. Daher gilt : Präventionsmaßnahmen setzen, vorbeugen!

Einer der wichtigsten Risikofaktoren ist zweifelsohne hoher Blutdruck. Daher ist das vorrangige Ziel eine optimale Blutdruckeinstellung. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Höhe des Blutdrucks und dem Schlaganfallrisiko. Vor allem bei älteren Menschen. Durch eine gute Blutdruckkontrolle kann dieses Risiko um bis zu 40 % gesenkt werden.

Das Problem in der Praxis ist, dass hoher Blutdruck unbestritten eine Erkrankung darstellt. Da hoher Blutdruck aber keine Schmerzen verursacht, wird beim Patienten auch kein Problembewusstsein erzeugt. Folglich ist auch wenig Akzeptanz für eine Therapie vorhanden ! Und das kann fatale Folgen haben. Fazit: die eigenen Blutdruckwerte genau zu kennen ist tatsächlich lebenswichtig !

Weiterer Risikofaktor: Rauchen. Die Gefahr für einen Schlaganfall erhöht sich auf das Doppelte. Die gute Nachricht: Aufhören zahlt sich aus. Nach nur einem Jahr Abstinenz sinkt das Risiko auf 50 %, nach fünf Jahren erreicht es das Niveau eines Nichtrauchers. Alle internationalen Experten warnen in diesem Zusammenhang auch vor dem Passivrauchen. In Europa ist nun Irland das Vorbild im Kampf gegen die uneinsichtigen Raucher: seit 2004 ist in allen öffentlichen Lokalen absolutes Rauchverbot – und das bei 3000 Euro Strafe !

Diabetes (hoher Blutzucker) ist an sich schon ein gefährlicher Auslöser für einen Schlaganfall und geht außerdem noch oft mit hohem Blutdruck einher. Es müssen also beide Krankheiten bestmöglich therapiert werden.

Ein weiterer oft unterschätzter Risikofaktor ist Fettleibigkeit (Adipositas). Aber auch „nur“ Übergewicht ist ein unabhängiger Risikofaktor für einen Schlaganfall. Ab einem Bodymaßindex (BMI) von ca. 27 steigt das Schlaganfallrisiko. Dies entspricht einem Menschen mit 1,65 m Größe und einem Gewicht von 74 kg. Bei BMI 30 beginnt Adipositas, bei 32 ist das Risiko für Schlaganfall bereits um das 2,4-fache erhöht.

Alkoholmissbrauch ( mehr als drei Achterl Wein pro Tag) erhöht die Gefahr für eine Gehirnblutung beträchtlich. Deshalb muß man als Arzt aufgrund des Suchtpotentials Alkohol warnen vor Empfehlungen von regelmäßigem Alkoholkonsum als Vorbeugemaßnahme (das berühmte Glaserl Wein am Tag ist zwar gesund – leider bleibt es oft nicht dabei !).Eine Blutanalyse der Leberwerte schafft sofort Klarheit !

Patienten, die bereits unter Vorhofflimmern oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden müssen in Zusammenarbeit mit einem Facharzt für Kardiologie eine optimale Therapie erhalten. Vor allem Therapien mit gerinnungshemmenden Substanzen sind hier einzuleiten. Im Besonderen dann, wenn noch weitere Risikofaktoren vorliegen.

Den Cholesterinspiegel zu kontrollieren und gegebenenfalls mit Medikamenten zu senken, gilt zu Recht als Vorbeugung gegen den Herzinfarkt. Beim Schlaganfall konnte bis jetzt kein eindeutiger Zusammenhang mit hohem Cholesterin gefunden werden.


Darüber hinaus gibt es eine mittlerweile eine ganze Reihe von Blutwerten (HDL-LDL Chol / LipoproteinA / Homocystein / Ferritin / CRP / Fibrinogen uva.) und genauen nicht invasiven Untersuchungsmethoden (z.B.: Farb DUPLEX der Halsarterien) womit man heutzutage ein äußerst genaues Risikoprofil für cardiovaskuläre Erkrankungen erstellen kann.

Und genau das, nämlich eine möglichst umfangreiche fundierte Diagnostik, um eben ein cardiovaskuläres Ereignis schon frühzeitig zu erkennen und vor allem zu verhindern, habe ich mir zu Hauptaufgabe gemacht. Leider ist diese Art der Medizin nicht nur extrem aufwändig für mich und auch für den Patienten, sondern erfordert in aller Regel auch eine Lebensstiländerung – und Hand aufs Herz – wer will schon das bequeme Leben und gute Essen wirklich aufgeben ? Wie oft habe ich schon gesehen, wie nach einem Schlaganfall (oder schwerem Herzinfarkt) gerade diese Lebensstiländerung plötzlich ganz leicht und selbstverständlich wird.
Allerdings: Ein kluger Mensch wird vorbeugen und das richtig und professionell !