Einleitung

Ist Impfen sinnvoll?

Die Impfung ist das erfolgreichste Instrument der Gesundheitsvorsorge! Impfungen haben der Menschheit ein plus von 25 Jahren in der Lebenserwartung gebracht. Das ist eine beweisbare Tatsache. Wir dürfen daher nie aufhören, uns durch Impfen zu schützen.

Derzeit sterben jährlich drei Millionen Menschen (davon zwei Millionen Kinder) alleine deshalb, weil sie keinen ausreichenden Impfschutz gegen Krankheiten wie Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Keuchhusten, Masern usw. haben. Ein Viertel der Kinder auf dieser Welt steht den durch Impfung vermeidbaren Krankheiten wehrlos gegenüber - vor allem in den ärmsten Regionen dieser Welt.

Die Bedrohung ist aber auch in unseren Breiten allgegenwärtig. Immerhin gab es im Vorjahr in Österreich noch 60 FSME-Infizierte (Menschen, die von der Zeckenschutzimpfung keinen Gebrauch gemacht haben) mit teils schwersten Komplikationen und lebenslangen Behinderungen. Jährlich gibt es Österreichweit mindestens 2000 Menschen, die an den Folgen der Influenza (nicht zu verwechseln mit banalen viralen Infekten) sterben. Weltweit sterben pro Jahr noch immer 200.000 Neugeborene an Tetanus, weil deren Mütter nicht geschützt waren, sowie 30.000 Frauen nach der Entbindung. Die Zahl der Toten durch Masern ging zwar seit 1990 um etwa 40% zurück, aber im Jahr 2000 erlagen dieser Krankheit immerhin noch 770.000 Kinder weltweit. Das ist die größte Opferzahl unter den durch Impfungen verhinderbaren Erkrankungen. Als in den neunziger Jahren in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bzw. des Ostblocks das Gesundheitswesen zusammenbrach, forderte alleine die Diphtherie 30.000 Todesopfer. Infektionen traten allerdings auch in Finnland, Norwegen und Deutschland auf - also vor der Haustüre.

350 Millionen Euro sind viel Geld. Aber mit diesem Betrag pro Jahr könnten 10 Millionen Kinder in armen Ländern gegen Diphtherie, Tetanus, sowie gegen Tuberkulose, Kinderlähmung (Polio), Hepatitis B und Haemophilus influenzae Infektionen geschützt werden. Täglich sterben 50.000 Menschen an Infektionskrankheiten. Die größten Killer sind übrigens Atemwegsinfektionen, gefolgt von Durchfallserkrankungen und Tuberkulose. Deshalb sind Impfungen auch bei uns ein wesentlicher Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Wie für den Besuch beim Zahnarzt, Frauenarzt oder Augenarzt, sollte man sich Zeit nehmen für einen Arztbesuch bei einem Allgemein- mediziner und seine persönlichen Impfungen überprüfen lassen. Heute ist es bereits möglich und in meiner Praxis an der Tagesordnung, durch eine Blutuntersuchung festzustellen, ob gegen die einzelnen Infektionskrankheiten noch ein ausreichender Impfschutz vorhanden ist (Antikörperspiegel), oder eine Auffrischungsimpfung nötig ist. Damit kann man sich unnötige Impfungen ersparen und darüber hinaus weiß man auch, ob nicht ein so genanntes Impfversagen vorliegt. Es ist nämlich keineswegs so, dass nach einer Impfung jeder Mensch den gleichen Impfschutz aufweist. Durch unterschiedliche Ursachen kommt es je nach Impfung in 5%-30% zu einem Impfversagen. Wir haben bei den Impfungen in der Vergangenheit große Erfolge erzielt: die Pocken wurden ausgerottet, die Kinderlähmung weltweit beinahe und bei uns in Österreich ging die Zahl der Todesfälle durch Masern, Tuberkulose und FSME (Zecken-Gehirnhautentzündung) stark zurück. Neue Bedrohungen kommen auf uns zu (AIDS), die alten lauern weiterhin.

Impfen stellt für den Körper grundsätzlich keine Belastung dar, sondern trainiert vielmehr das Immunsystem!

Eine einzige Fahrt in der U-Bahn bringt uns mit mehr Erregern (Bakterien und Viren) in Kontakt, als alle Impfungen im Laufe eines Lebens. Die Impfstoffe werden immer besser. An neuen Entwicklungen wird intensiv gearbeitet. Derzeit werden bei uns Babys im Alter von drei Monaten mit einer sechsfach Impfung (gegen Diphtherie, Tetanus, Haemophilus influenzae, Hepatitis B, Keuchhusten und Kinderlähmung) geschützt - diese ist besser verträglich als die Einzelkomponenten früher. Darüber hinaus werden zahlreiche Einzelimpfungen überflüssig. Natürlich darf nicht verschwiegen werden, dass es in seltenen Fällen auch so genannte Impfkomplikationen gibt. Deshalb ist es extrem wichtig, dass vor jeder Impfung die Impftauglichkeit durch einen erfahrenen Arzt festgestellt wird.

Nicht alle Infektionskrankheiten lassen sich ausrotten (wie die Pocken). Bei Kinderlähmung, Masern, Mumps und Röteln wäre es möglich. Bei FSME, Tetanus und Influenza würde zumindest die Ausschaltung der Krankheiten gelingen. Vorausgesetzt, es wird nach Vorschrift geimpft.

Derzeit fragen wir noch falsch: Wer soll geimpft werden?

Richtig wäre: Wer soll nicht geimpft werden?